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WILDTIERE


13.02.2020

Entsetzen über Rotwildmassaker im Tiroler Lechtal

Die höchstgelegene Gemeinde (1530 m) Kaisers (76 Einwohner) im Tiroler Lechtal in unserem Tiroler Nachbarbezirk Reutte kämpfte seit Wochen, mit ihrem Bürgermeister Norbert Lorenz an der Spitze, gegen die Keulung von Rotwild im "Tötungsgatter Holzriner". Das 60 x 50 Meter große Gatter war errichtet worden um im Rahmen der TBC-Bekämpfung 20 Stück Rotwild zu töten. Hintergrund war auch, dass der Abschussplan nicht erfüllt war. Bürgermeister Lorenz, früher selbst Berufsjäger, hatte in einem dreiseitigen Schreiben an die zuständigen Behörden versucht die Tötungsanordnung zu verhindern und Alternativen angeboten. Der Einspruch Zudem wurden an der Zufahrtstraße nach Kaisers eindringliche Plakate angebracht. Alles half nichts. Am Sonntag, den 9. Februar 2020 gegen 21 Uhr hörten die Bewohner von Kaisers Schüsse und viele Gemeindebewohner machten sich auf den Weg zum Gatter.

Behörden sprechen von "schonender und tierschutzgerechter Entnahme"

Was sie dort sahen und was später an Bildern an die Öffentlichkeit gelangte, hatte mit dem, was die Tiroler Landesbehörde per Pressemitteilung mitteilte überhaupt nichts zu tun: "33 Stück Rotwild wurden im Rahmen der Tbc-Bekämpfung ...von erfahrenenn Schützen in kürzester Zeit schonend und tierschutzgerecht entnommen." Und der Landesveterinärdirektor Josef Kössler erklärte: "Natürlich sind 33 tote Tiere kein schöner Anblick. Aber die Aktion hat nur wenige Minuten gedauert und ist tierschutzgerecht abgelaufen".

Brutales Massaker am Rotwild

Die Wahrheit ist eine andere. Völlig fassungslos mussten die aufgebrachten Bürger und ihr Bürgermeister mit ansehen, wie 1 Schütze und 1 "Gehilfe" 45 (!) Minuten lang auf das eingekesselte, panische Wild einschossen und 33 Tiere zur Strecke brachten. Bürgermeister Lorenz: "Das war Chaos pur". Tiere seien in die Zäune gesprungen und haben Kieferbrüche und offene Verletzungen erlitten. Ein Kalb habe schwerverletzt noch gelebt, Tiere seien von den in Panik geratenen Tieren niedergetrampelt worden. "Es war ein Gemetzel", sagte Bürgermeister Lorenz. Viele Bürger haben Fotos und Videos gemacht die deutlich zeigen, dass hier keine "schonende und tierschutzgerechte Entnahme" stattfand, sondern die Tiere brutal zusammengeschossen wurden. Viele Bürger haben an den Zäunen lautstark ihr Entsetzen zum Ausdruck gebracht.

In Tirol wird es keine Gatterentnahme mehr geben

Nach dem Aufschrei in den Medien und der Empörung erklärte Landeshauptmannstellvertreter Josef Geisler: "Eines ist für mich nach diesen Vorfällen klar: In Tirol werden wir Gatterabschüsse künftig verbieten. So etwas wird es in Tirol nicht geben." Auch die Tiroler Jägerschaft distanzierte sich vorbehaltslos von dieser Tötungsmaßnahme. "Derartige Massen-Keulungen haben mit weidgerechter Jagd und tierschutzrechtlichen Grundsätzen nichts zu tun; sie sind weder weidgerecht noch tierschonend. Der Tiroler Jägerverband distanziert sich klar und vorbehaltslos von solchen Maßnahmen." Strafanzeigen sind gestellt, das Landeskriminalamt hat Ermittlungen aufgenommen und eine Waffe wurde sichergestellt. Dies alles hält das Land Vorarlberg nicht davon ab, in Gebieten, in denen die Abschussquoten nicht erfüllt werden, sog. "Regulierungsgatter" zu planen.

Weitere Tatsachen

Tatsache ist auch, dass statt der 20 zunächst geforderten 5 Stück weibliches Wild und der 15 Kälber insgesamt 33 Tiere, darunter auch Hirsche (für die die Abschussquote bereits erfüllt war) erlegt wurden. Tatsache ist auch, dass die weiblichen Tiere trächtig waren. Und Tatsache ist auch, dass eine Ansteckungsgefahr für Rinder durch das Rotwild nur bei etwa 2 % liegt.

Persönliche Anmerkungen:

Zusammen mit Tessy Lödermann (1. Vorsitzende TSV Garmisch-Partenkirchen, Vizepräsidentin DTB LV Bayern e.V.) wollten wir landesübergreifende Unterstützung anbieten, der Anruf beim Bürgermeister in Kaisers war von ihr an diesem Vormittag geplant. Die Transparente, welche Tessy Lödermann 2013 anlässlich des Winderstands gegen den Gatterabschuss (auch wegen Tbc) im Landkreis GAP gestaltet hatte, sind heute aktueller denn je! Montag morgens erhielt ich jedoch per Mail die Nachricht, dass das Massaker am Sonntag abends stattgefunden hatte. Tierschutz verlangt uns Einiges ab, wir Menschen werden täglich in der Presse mit Missständen und Tierquälereien konfrontiert. Doch diese Bilder haben mich erstarren lassen, noch jetzt erschüttert mich dieses Vorgehen. Mit Tessy Lödermann, seit über 40 Jahren engagierte Tierschützerin, mit größter Empathie für unsere Wildtiere, arbeite ich seit einiger Zeit intensiv zusammen,was den Umgang mit unserem heimischen Wild betrifft. Auch bei uns werden Forderungen laut, Abschüsse zu erhöhen, diese zu jeder Tages- und Nachtzeit und auch der Wunsch nach dem Gatterabschuss gehört dazu. Es gibt keinen tierschutzgerechten Abschuss im Gatter für das Rotwild!

Größten Respekt zolle ich dem Bürgermeister Lorenz und den Anwohnern von Kaisers. Zivilcourage und Herz hat diese kleine Gemeinde gezeigt!

Wir Tierschützer werden uns weiter für unser heimisches Wild engagieren, Allianzen schmieden und die Bevölkerung überzeugen, dass unsere Wildtiere keine Schädlinge sind. Im Landkreis Miesbach sind wir auf einem guten Weg. Der achtungsvolle und faire Umgang mit unseren Mitgeschöpfen muss in unserer humanistischen Gesellschaft selbstverständlich sein.


Johanna Ecker-Schotte
Vorsitzende Tierschutzverein Tegernseer Tal e.V.,
Beirat Deutscher Tierschutzbund LV Bayern e.V.


13.02.2020

Resolution zur Mitgliederversammlung am 23.11.2019 in Nürnberg

Auch in Zeiten des Klimawandels - Mehr Achtung für unsere Wildtiere

Derzeit ist die Diskussion um den Klimawandel und den damit verbundenen klimaangepassten Waldu m- bau in vollem Gange. Unter der Leitlinie „Wald vor Wild“ wird von nahezu allen Akteuren eine massive Reduktion der Schalenwildbestände gefordert. Unsere heimischen, wildlebenden Huftiere (Reh, Rot - und Gamswild ) werden oft nur noch als „Waldschädlinge“ wahrgenommen, die bekämpft werden müssen. Wissenschaftler haben in einer aktuellen Studie (Reimoser (2018) Wildschadensproblem und Forst - Jagd - Konflikt im Alpenraum – Hintergründe, Entwicklungen, Perspektiven.

Jahrbuch des Vereins zum Schutz der Bergwelt, 83: 61 - 116) belegt, dass die Formel „mehr schießen, weniger Wild, weniger Wild- schaden“ nicht funktioniert. Auch geht in der aktuellen Diskussion vollständig unter, dass Rotwild nur 14 Prozent der bayerischen Land esfläche (Rotwildgebiete) nutzen darf und dass dem Gamswild, das eine geschützte Art gem. Anhang 5 der Flora - Fauna - Habitat - Richtlinie (FFH - RL) ist, nur ein kleiner Teil seines natürlichen Sommer - und Winterlebensraums (aufgrund der Schutzwaldsanierungsfläc hen und - gebiete) zur Verfügung steht.

Der Deutsche Tierschutzbund, Landesverband Bayern e.V. stellt fest, dass bei dem notwendigen Waldumbau sowohl das Augenmaß im Umgang mit unserem Wild, als auch Aspekte des Tierschutzes, des Muttertierschutzes und die Tatsache, dass Wildtiere, auch das Schalenwild, wichtige Faktoren im Ökosystem Wald, sind, nicht außer Acht gelassen werden dürfen und Verbissschäden häufig durch massiven Freizeit - und Jagddruck und fehlendes oder falsches Wildtiermanagement ausgelöst werden.

Wir fordern daher: - Anerkennung von Wildtieren, auch der Huftiere, als integraler Bestandteil des Wald - ökosystems. - Lebensraumverbesserungen für das Schalenwild durch jagdfreie Äsungsflächen und die großflächige Ausweisung von Wildruhezonen und Wildschutzgebieten als Instrumente des Wildtiermanagements.

- Tragfähige Fütterungskonzepte für Notzeiten, sowohl für Rot - ,als auch für Rehwild.
- Jagd unter strikter Einhaltung des Tierschutzgesetzes und des Muttertierschutzes.
- Keine großfläch igen Schonzeitaufhebungen und Nachbeantragung von Abschüssen.
- Kürzere Jagdzeiten, Einstellung der Jagd spätestens am 15. Dezember.
- Keine Lockerung des Nachtjagdverbotes.